Wege des Friedens – Bericht


– interreligiöser Gedenkgang für Pater Frans van der Lugt SJ –

Die Sonne hat an diesem Samstagmorgen bereits viel Kraft. Auf dem Hof der Abu Bakr Moschee in Hausen, treffen nach und nach die Teilnehmer ein. Ein Mann der Moscheegemeinde in weißem Kaftan und schwarzem Bart bietet Gläser mit kräftig gesüßtem Minztee an. Im Hintergrund, auf dem städtischen Sportplatz, spielen Kinder Fußball. Herr Horchi vom Vorstand der Moschee erzählt, dass es heute ein großes Fussballturnier gibt, an dem viele Moscheen teilnehmen. Trotzdem werden er, die beiden Imame und einige andere mitgehen.

Es ist bereits nach 10h30 aber viele fehlen noch. Die deutsche Pünktlichkeit begegnet der arabischen Gelassenheit. Diejenigen, die bereits da sind, nutzen die Zeit, um sich die Moschee zeigen zu lassen. Eine junge Frau ist erstaunt, dass es hier in Frankfurt eine so schöne Moschee gibt.

Dann geht es doch los. Eine kleine Einführung stimmt ein, auf den Weg, den man gemeinsam gehen wird. Es ist ein Gang für den Frieden in Syrien. Dieser Friede scheint so weit weg. Zu viele sind schon gestorben. Einer von Ihnen ist Pater Frans van der Lugt. Der Jesuitenpater stammte ursprünglich aus den Niederlanden, lebte aber seit fast 50 Jahren in Syrien. Viele Freundschaften verbanden ihn mit dem syrischen Volk. Es wird erzählt, wie er sich als junger Ordensbruder, nachts durch das geöffnete Fenster im Kloster fortschlich um die befreundeten Familien im Dorf zu besuchen. Seine Lebensaufgabe war es Menschen zusammen zu bringen.

Er gründete dafür vor allem zwei Projekte, die in Syrien sehr bekannt waren. Einen Bauernhof vor der Stadt Homs mit dem Namen al Ard (die Erde). Dort konnten Behinderte Menschen arbeiten, die sonst oft von ihren Familien schamhaft versteckt werden. Auf diesem Hof richtete er auch ein interreligiöses Meditationszentum ein. Ein Ort des Gebetes, in dem es keine religiösen Symbole gab, damit alle dort beten konnten.

Das zweite große Projekt waren seine Wanderungen, die er häufig mit Jugendlichen unternahm. Hunderte nahmen daran teil. Christen, Muslime – aus ganz verschiedenen Orten, aus der Stadt oder vom Land. Sie entdeckten dabei ihr Land und lernten sich gleichzeitig kennen. Pater Frans wählte für sie immer den schwierigsten Weg, aber die Grenzen, die sonst ihr Leben bestimmten verloren so an Wichtigkeit. Deer gemeinsame Weg half die Menschen füreinander zu öffnen, brachte sie zusammen.

So wie die Jugendlichen mit Pater Frans loszogen, machen sich dann die etwas mehr als 30 Menschen auf den Weg. Einige der Syrer waren selbst mit ihm unterwegs und erzählen Anekdoten. Vom ersten Moment ist die Stimmung entspannt. Es entwickeln sich sofort Gespräche, auch wenn man sich erst seit wenigen Minuten kennt. Youssef ein junger Marokkaner redet mit Diego einem gebürtigen Spanier. Eine katholische Ordensfrau, von den kleinen Schwestern Jesu unterhält sich trotz Sprachbarrieren mit dem Immam der Moschee.

al massir

Die Gruppe läuft locker verstreut, vorwiegend durch die Grünanlagen, vorbei an den Schrebergärten bis in den Grüneburgpark. Zwei andere syrische Demonstrationen finden am selben Tag auf der Frankfurter Zeil statt. Der Kontrast ist groß. Dort geht es um pro oder contra Assad. Man will die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und seiner Position Nachdruck verleihen. Beide Lager stehen sich gegenüber, die Einen schwenken und die Anderen verbrennen die syrische Nationalflagge. Die Menschen hier im Grünen wollen sich begegnen. Es gibt unterschiedliche politische Einstellungen aber sie stehen nicht im Zentrum. Im Zentrum steht die Hoffnung und nicht der Konflikt. Politische Symbole und Transparente gibt es hier nicht.

Bild 1Nach etwa einer Stunde Fußweg wird eine Pause gemacht. Man steht beisammen, sitzt auf der Wiese und teilt mit den Anderen die Kekse oder das Wasser, dass man mitgebracht hat. Ein junger Mann erzählt, dass er als Palästinenser der in Syrien lebte staatenlos ist, weil es keine palästinensische Staatsbürgerschaft gibt. Eine Frau versucht den Muslimen zu erklären, wer die Jesuiten sind.

 

Nachdem die letzten Meter zurückgelegt sind, kommt die Gruppe an der Sankt Ignatiuskirche an. Es ist mittlerweile ziemlich heiß geworden und man genießt den Schatten der Kirche. Gemeinsam verweilen alle in einem Moment des Schweigens, der Eine betet für den Frieden, der Andere hängt den Begegnungen und gehörten Worten nach.

Während einige schnell ein paar Tische und Stühle herausholen und aufstellen, betreten andere interessiert die zeltähnliche Betonkonstruktion der Kirche, die vom Jesuiten, Pater Günther erklärt wird. Die Gespräche weiter bis in den Nachmittag. Trotz der Lage ist die Stimmung nicht traurig. Es wird viel gelacht. In einer Video-Botschaft, die Pater Frans aus der belagerten und vom Hunger geplagten Stadt Homs gesendet hat insistierte er, dass die Menschen dort das Leben lieben. Der große Frieden scheint weit weg, aber die kleinen Schritte der Begegnung und der Versöhnung kann jeder gehen. Nur nach und nach brechen die Leute auf. Die Letzten stehen noch lange zusammen Eines ist klar: Dem Anderen zu begegnen lohnt sich.

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