1. außerhalb des Gewohnten

Wir stehen vor der Katharinenkirche am Abgang zur B-Ebene an der Hauptwache. Draußen vor der Tür. An einem Ort, der nicht unbedingt zum Verweilen einlädt. Für unzählige Menschen ist die B-Ebene ein Ort, den sie mit eiligen Schritten durchschreiten, auf ihren Wegen von ‚A‘ nach ‚B‘. Für gewöhnlich hält sich kaum ein Mensch länger dort auf als unbedingt nötig.

Es gibt aber auch Menschen, denen ist es mit der Zeit zur Gewohnheit geworden, sich an diesem ungewöhnlichen Ort aufzuhalten. Nicht weil sie sich das ausgesucht haben, sondern weil sie keinen anderen Ort haben, der ihnen Wohnung und Beheimatung bietet.

Außerhalb des Gewohnten. Das ist eine Erfahrung, die erst einmal irritierend ist. Außerhalb der gewohnten Umgebung – in einem Krankenhaus, einem Hospiz. Außerhalb der gewohnten Situation am Arbeitsplatz – in Homeoffice am Küchentisch. Außerhalb der gewohnten familiären Bezüge – weil die vertrauten Personen in der Heimat zurückbleiben mussten, die man auf der Flucht vor Krieg und Gewalt, vor Hunger und Elend verlassen hat. Außerhalb des Gewohnten – weil …

Außerhalb des Gewohnten – wohnt auch Gott.

Außerhalb des Gewohnten gibt ER sich zu erkennen.

Er ist da, wenn das Leben uns herausträgt aus den gewohnten Bahnen, die es bisher gezogen hat.

Ein außergewöhnlicher Gott, der als gewöhnlicher Mensch eintreten will in das Leben eines und einer jeden einzelnen von uns.

Gott, ich bitte dich für alle, die das Leben aus der Bahn geworfen hat. Schenke ihnen ein Zeichen deiner zärtlichen Liebe. Amen.