6. außerhalb der Vorstellungskraft

Das Wunder des Lebens überstrahlt immer wieder, auch die härteste äußere Realität. So auch in der Geburtsstunde Jesu: Nicht die Einsamkeit fern der Heimat, nicht die katastrophal ärmliche Unterbringung im Stall, nicht die fehlende Unterstützung durch Verwandte und Freundinnen, sondern der Blick des neugeborenen Kindes und der Stern am Himmel bewegen die Herzen.

Solche großartigen Erfahrungen berühren etwas in uns, das uns weit über den aktuellen Moment hinausführt. Die Geburt jedes Kindes ist so ein kleines Wunder: ein neues Leben, das einen anschaut und verzaubert, das schreit und schläft, das ganz von selber alle in den Bann zieht.

Bei der Geburt Jesu geschieht noch mehr Wunderbares. Menschen, die nichts mit dem Elternpaar zu tun haben, erleben einen himmlischen Moment: ein Strahlen am Himmel, ein Engelschor, ein aufgehender Stern, eine Botschaft, die zu dem Kind hinführt, Hirten und Weise aus dem Morgenland gleichermaßen.

Da berühren sich Himmel und Erde. Das neue Erdenleben ist göttliches Leben. Der neugeborene Mensch ist Gott, war es schon immer, lange vor der Zeit. Das hilfsbedürftige Baby, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend, ist der Christus, Retter der Welt.

Hier kommt der Verstand nicht mehr mit: Gott wird Mensch. Das Herz aber lässt sich berühren von der übergroßen Liebe Gottes, die zu dieser Erniedrigung geführt hat.

Die Hirten und die Weisen sehen das Kind und die Eltern, und sie erleben eine Sternstunde. Erklären können auch sie nicht, was geschehen ist, aber von dem großen Trost der göttlichen Liebe und der mit diesem Kind verbundenen Hoffnung können sie berichten. Auch die Mutter, Maria, „bewahrte alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“

Der Tost und die Hoffnung aus der Begegnung mit dem Kind in der Krippe, wie wir es im Weihnachtsevangelium hören, möge auch unser Trost werden. Er möge uns Sternstunden schenken und auch heute durch die dunklen Tage und die harten, äußeren Realitäten tragen. Er möge uns den Himmel aufscheinen lassen und unser Herz erwärmen.

Gesegnete Weihnachten!